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Sonderkulturen

Weinbau: Der Anker im Kampf gegen Oidium

Mussten sich viele deutsche Winzer 2016 noch mit Peronospora herumschlagen, übte ein Jahr später vor allem der Echte Mehltau Druck aus. Keine Frage, 2017 war in Teilen Deutschlands ein Oidium-Jahr. Ein Problem, das man zum Glück in den Griff bekommen kann. Mit einer gut getakteten Spritzfolge und einem Wechsel zwischen verschiedenen Wirkstoffklassen. Wichtig: In der sensiblen Phase der abgehenden Blüte dürfen keine Fehler gemacht werden.
"Unser Ziel ist es, möglichst gesunde Trauben zu erzeugen. Daher setzen wir gerade bei hohem Krankheitsdruck konsequent auf Pflanzenschutz." Bernhard Koch lässt keinen Zweifel daran aufkommen, dass er den Kampf gegen Schädlinge und Pilze auf jeden Fall gewinnen will. Der Winzer vom Weingut Koch im pfälzischen Hainfeld bei Landau betreibt 50 Hektar Rebfläche. Damit seine Reben gesund bleiben, vertraut Koch auf die Empfehlungen der behördlichen Berater. Einer davon ist Dr. Andreas Kortekamp. Er leitet am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum (DLR) in Neustadt an der Weinstraße das Arbeitsgebiet Mykologie im Weinbau. Zum Thema Oidium sagt Kortekamp klar: "In einer Saison wie 2017 empfehlen wir bis zu zehn Spritzungen." Der Zyklus beginnt mit ein bis zwei Netzschwefelanwendungen. Bei den danach eingesetzten Produkten ist – laut Experte Kortekamp – ein ständiger Wechsel zwischen den unterschiedlichen Wirkstoffgruppen wichtig. Das habe gleich zwei Vorteile: "So lässt sich einerseits das Auftreten neuer Resistenzen vermeiden", sagt der DLR-Experte. "Andererseits werden mit diesem Ansatz auch Krankheitserreger unterdrückt, die bereits resistent gegen eine der Wirkstoffklassen sind."
Eine der Hauptkrankheiten im Weinbau

Oidium (Echter Mehltau) verursacht große wirtschaftliche Schäden insbesondere durch die Beeinträchtigung der Qualität der erzeugten Weine. Der Befall ist gekennzeichnet durch ein weißgraues, spinnwebenartiges Geflecht auf den grünen Pflanzenteilen der Rebe. Besonders Triebspitzen, kleine Beeren und die Blätter werden leicht befallen. Befallene Triebe bleiben in ihrem Wachstum zurück, während vor der Veraison befallene Früchte verhärten, grau oder schwarz werden und aufplatzen, sodass die Kerne freiliegen.

"Der Anker in der Oidium-Bekämpfung"

Derzeit stehen Winzern sechs Wirkstoffklassen gegen Oidium zur Verfügung. Damit die Fungizide auch in Zukunft ihre Kraft gegen den Echten Mehltau behalten, sollten Anwender einem Rat von Kortekamp und seinen Kollegen folgen: bei Spritzanwendungen jede Wirkstoffklasse nur ein-, allenfalls zweimal pro Saison einsetzen. Für Produkte einer Wirkstoffklasse, die zweimal gespritzt werden, gelte zudem: dies nie direkt nacheinander tun. Im Hinblick auf das Resistenzmanagement ist für Kortekamp aber auch eine möglichst vollständige Kontrolle der Pilzerreger wichtig. Er betont: "Daher empfehlen wir in der Phase um die Rebblüte, leistungsstarke Mittel wie beispielsweise Luna Experience einzusetzen." Einer der beiden Wirkstoffe dieses Produkts zählt zu den sogenannten Succinat- Dehydrogenase-Inhibitoren (SDHI) - und gehört damit zur, so der DLR-Experte, "derzeit potentesten Wirkstoffklasse im Kampf gegen Oidium". Wegen
seiner großen Bedeutung bezeichnet Kortekamp Luna Experience in der Zeit der Rebblüte als "Anker der Oidium-Bekämpfung, um den herum der Einsatz weiterer Mittel geplant werden sollte". Winzer, die der DLR-Strategie folgten, hatten 2017 kaum Probleme mit dem Pilz. Auch Bernhard Koch aus Hainfeld blickt in Sachen Echter Mehltau zufrieden auf die Saison zurück. "Wir haben uns bei der Spritzfolge weitgehend an die DLR-Empfehlungen gehalten und unsere Reben auch direkt nach der Blüte mit Luna Experience geschützt." Wegen des schnellen Traubenwachstums verkürzte der Betrieb darüber hinaus die Abstände zwischen den Anwendungen auf zeitweise bis zu acht Tage. Koch: "Damit hatten wir in Sachen Oidium alles im Griff."