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Agrar Magazin /Getreidefungizide

Blatt mit Septoria-Befall
Getreidefungizide

Getreidefungizide: Die Sache mit den Wirkstoffen

Worauf kommt es bei einem integrierten Resistenzmanagement im Getreide an? Welche Wirkstoffe passen zusammen, ergänzen sich oder schließen sich gegenseitig aus? Die Antwort auf diese Fragen ist komplex und hängt von unterschiedlichen Faktoren ab.
Neue Wirkstoffe fallen nicht vom Himmel und erprobte Wirkstoffe werden langsam knapp. So stellt sich derzeit die Situation für  Getreideanbauer dar. Zum einen werden immer mehr Produkte vom Markt genommen, zum anderen ziehen sich die Wartezeiten wegen des Zulassungsstaus für neue Produkte in die Länge. Die Entwicklung neuer Wirkstoffe ist zudem schwierig, teuer und zeitaufwändig. Deshalb lautet das oberste Gebot, die wenigen verbleibenden Wirkstoffe nachhaltig, d.h. mit robusten Aufwandmengen einzusetzen.

Neben den bekannten Problemen bei der Bekämpfung von Ackerfuchsschwanz und Windhalm, verlangt auch die Gefahr von Resistenzen bei Getreidefungiziden erhöhte Aufmerksamkeit. Bei Septoria tritici, Ramularia und vor allem Netzflecken treten hier zunehmend Probleme auf. In den letzten Jahren wurden Netzfleckenfeldmutanten gefunden, die eine geringe oder keine Sensitivität auf die Wirkung von Stobilurinen oder SDHIs (Succinat-Dehydrogenase-Inhibitoren) zeigen. Eine besorgniserregende Entwicklung. Neue Ergebnisse aus Frankreich zeigen ein leichtes Shifting von Prothioconazol auf Netzfleckenmutanten in Gerste. Gründe dafür sind zum einen die zunehmende Sortenanfälligkeit gegen Netzfleckenmutanten aufgrund von mangelndem Sortenwechsel sowie die seit langem enorm reduzierten Aufwandmengen. Selbst in Fungizidempfehlungen, die von offiziellen Instituten in Frankreich regelmäßig veröffentlicht werden, sind 50% der Regelaufwandmenge und weniger Standard. Das erhöht den Selektionsdruck, selbst beim stärksten Azol Prothioconazol. In Deutschland ist die Situation nach wie vor sicher. Beim Einsatz von mindestens 80% der Regelaufwandmenge ist die volle Wirkung von Prothioconazol gegeben. Das zeigen u.a. aktuelle Untersuchungsergebnisse aus Niedersachsen.

Gerade hoher Befallsdruck in Gerste rechtfertigt eine zweifache Behandlung. Früher Krankheitsbefall muss sicher und vollständig ausgeschaltet werden. Das gelingt am besten mit der stärksten Waffe, Prothioconazol. Denn früher Befall der nicht zu 100% beseitigt wurde, sondern bis ins späte Blatt-/Ährenstadium verschleppt wird, ist deutlich schwieriger zu bekämpfen. Um zur Hauptbehandlung in Gerste alle Krankheiten sicher zu kontrollieren sollte auf eine breite Wirkstoffkombination gesetzt werden, bestehend aus dem stärksten Azol Prothioconazol, dem leistungsstarken SDHI Bixafen, Azoxystrobin sowie dem zur Ramulariabekämpfung unabdingbaren Chlorthalonil. Bei Septoria ist der Wirkungsverlust von Strobilurinen bekannt. Auf SDHIs und Azole mindersensitive Septoriamutanten konnten sich bislang nicht verbreiten. Um dies auch in Zukunft zu gewährleisten, gilt es die Krankheitsbekämpfung bei Septoria mit einer leistungsfähigen Fungizidstrategie anzugehen, welche gleichzeitig die modernen Anforderungen an das nachhaltige Resistenzmanagement erfüllt.
Denn  im intensiven Getreidebau sind drei bis vier Behandlungen je nach Befallsdruck und Witterungsbedingungen zur Ertrags- und Qualitätssicherung üblich und erforderlich. Dadurch wächst jedoch die Gefahr, die zur Verfügung stehenden Wirkstoffe zu "verschleißen".

Die Antwort - eine neue Wirkstoffkombination

Erstmals ist im vergangenen Jahr ein Getreidefungizid mit einem Wirkstoff aus der Klasse der Benzamide zugelassen worden, das Bayer unter der Produktbezeichnung Ascra Xpro vertreibt.
Ascra Xpro enthält als erstes Fungizid zwei SDHI-Wirkstoffe. Bixafen aus der Klasse der Pyrazol-Carboxamide und Fluopyram, erstmals im Getreide aus der Klasse der Benzamide. Bixafen und Fluopyram zeichnen sich durch unterschiedliche chemisch-physikalische Eigenschaften aus, und teilweise sogar durch ein unterschiedliches Wirkungsniveau gegenüber Pilzisolaten, die unterschiedliche SDHI-Mutationen tragen. Dennoch ist diese Mischung zweier leistungsstarker SDHIs im Sinne von FRAC nicht als hervorzuhebendes Mittel für das Resistenzmanagement von SDHIs anzusehen, sondern dient vielmehr aufgrund dieser komplementären und zudem schnelleren Erfassung verschiedenster Septoria-Mutanten dem optimalen Schutz des dritten Partners, dem Azol Prothioconazol. "Das wichtigste Resultat aus diesem SDHI-Doppelpack ist die Verringerung des Selektionsdrucks auf unser wirkungsstärkstes Azol: Prothioconazol wird so am besten gegen Resistenzbildung geschützt",  bestätigt Dr. Andreas Mehl, Leiter der Bayer Fungizidresistenzforschung. Das sei umso wichtiger, da auch Azole mehr und mehr aus den Zulassungslisten wegfielen und auch schon nachlassende Wirkungen in Europa festgestellt werden konnten. Der Einsatz von zwei SDHIs im Ascra Xpro ist demnach innovativ, entspricht den FRAC-Richtlinien, und ist positives Beispiel für angewandtes Resistenzmanagement.
Aber auch der zweifache Einsatz von SDHIs in der Spritzfolge im Weizen zeigt laut mehrjährigen Erhebungen des SDHI-Arbeitskreises, darin vertreten sind Dr. Andreas Mehl, sowie führende Vertreter der Landwirtschaftskammern und amtlichen Dienste deutschlandweit, dass mit einem soliden Mischpartner wie Prothioconazol keine vermehrten Resistenzbildungen im Vergleich zum einfachen Einsatz von SDHIs festzustellen sind. So ist zum Beispiel in Großbritannien der zweifache SDHI-Einsatz schon lange erfolgreich in der Praxis etabliert, um in intensiven Spritzfolgen (Drei- oder Vierfachbehandlung) den Selektionsdruck auf Azole  zu reduzieren.

Und so wirkt das neue Fungizid

Die positiven Eigenschaften der beiden SDHIs aus den Klassen Carboxamid und Benzamid werden in Ascra Xpro durch Prothioconazol ideal ergänzt. Die schnellere Anfangsleistung durch Fluopyram und die breite erwiesene Dauerwirkung durch Bixafen und Prothioconazol bedeutet eine neue Stufe der Leistungsfähigkeit gegenüber Blattkrankheiten. Ascra Xpro wird besonders schnell aufgenommen und verteilt sich innerhalb weniger Stunden im Blattgewebe. Dadurch erreicht das Produkt eine sehr gute Stoppwirkung bei verschiedenen Pilzkrankheiten. Grund dafür ist, dass Fluopyram  durch seine positiven chemisch- physikalischen Eigenschaften schneller in die Pflanze aufgenommen und transportiert wird als vergleichbare Wirkstoffe. Die beiden anderen, gleichfalls systemischen Xpro-Komponenten dringen ebenfalls direkt nach der Anwendung in die Pflanze ein und sorgen durch ihren Depoteffekt für eine hervorragende Dauerwirkung. So ist nach Applikation innerhalb kürzester Zeit optimaler Schutz durch die Dreier-Wirkstoffkombination gegeben, um Pathogene sicher zu bekämpfen.

Fazit

Mit Ascra Xpro steht ein neues leistungsstarkes Getreidefungizid mit schnellem Stopp-Effekt und breiter Dauerwirkung zur Verfügung. Die komplementären Effekte von Prothioconazol + Bixafen + Fluopyram können als bester Schutz der verschiedenen Mode of Action im Sinne des Resistenzmanagements betrachtet werden. In intensiven Fungizid-Spritzfolgen kann der zweifache SDHI-Einsatz sinnvoll und nötig sein, um einen erhöhten Selektionsdruck bei den Azolen zu vermeiden.