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Ackerfuchsschwanz im Getreide
AgrarGespräch

Feldverweis für den Ackerfuchsschwanz

Der Ackerfuchsschwanz bereitet Ackerbauern zunehmend Sorgen. Besonders in den klassischen Fruchtfolgen mit den Schwerpunkten Wintergetreide und Winterraps findet dieses Ungras beste Voraussetzungen für eine starke Verbreitung.
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Um den Ackerfuchsschwanz so gut wie möglich in Schach zu halten, reichen Strategien mit ausschließlich chemischen Maßnahmen nicht mehr aus. Das ist ein Ergebnis des AgrarGesprächs vom 5. Oktober 2022. Sowohl Manja Landschreiber, Beraterin bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Oliver Schmidt, Pflanzenbauberater, BayWa AG,  Landwirt Christoph Martens aus Norden und Jule Vorholzer, Market Development Managerin Herbizide, bestätigen dies aus ihrer jeweiligen Sicht.

Ziel muss es sein, das Samenpotential im Boden auf möglichst niedrigem Niveau zu halten. Wie dies zu erreichen ist, diskutierten die Experten der Runde mit den Zuschauern, die viele, teils sehr detaillierte Fragen stellten. Als Ursache für das sich immer stärker ausbreitende Resistenzproblem beim Ackerfuchsschwanz verorten Berater und Praktiker in den engen Fruchtfolgen mit dem hohen Anteil an Winterungen. Hinzu kommen technisch bzw. arbeitstechnisch bedingte frühe Saattermine und die (falsche) Annahme, mit dem Einsatz von Herbiziden allein ließe sich das Ungras schon in den Griff bekommen.

Die Erfahrungen zeigen aber, dass der Ackerfuchsschwanz sich stetig in vielen deutschen Ackerbauregionen verbreitet. Ergänzend erläutert Jule Vorholzer, dass die Zeiten, in denen regelmäßig neue Wirkstoffe zur Verfügung gestellt werden können, vorbei sind. Das ist ein Grund dafür, dass Bayer auf dem Versuchszentrum in Anröchte, Nordrhein-Westfalen, bereits seit Jahren Ackerbaukonzepte mit speziellem Blick auf Ackerfuchsschwanz prüft.

Aus der Sicht des Praktikers macht Christoph Martens eindrücklich klar, dass Theorie und Praxis leider nicht immer deckungsgleich sind. „Lange haben bei uns die Herbizide gewirkt, die Resistenzen haben sich schleichend aufgebaut und jetzt sind wir mit der Chemie allein am Ende.“ Umso wichtiger ist es ihm, die verbleibenden Wirkstoffe, das sind insbesondere die Bodenherbizide, zum richtigen Zeitpunkt unter optimalen Bedingungen einzusetzen. „Ein wichtiges Werkzeug für mich ist die Fruchtfolge. Sommerungen gewinnen aus Gründen der Feldhygiene eine immer größere Bedeutung.“ Beim Saatzeitpunkt ist er dagegen weniger flexibel. Frühe Saaten von Wintergetreide fallen oftmals den Gänsen zum Opfer. Ein anderes Mittel der Wahl ist für in die flache Bodenbearbeitung, wenn der Ungrasdruck hoch ist auch zwei Jahre hintereinander, etwa in der Kombination einer Sommerung mit nachfolgendem Winterraps. So verhindert er, dass Samenvorräte zum Keimen an die Oberfläche geholt werden.

Schmidt erläutert ergänzend die Besonderheit bei der Sommerung Mais, wo man sich andere Resistenzprobleme einhandeln kann. „Hier müssen auch mechanische Verfahren neu überdacht werden,“ rät er.

Um zu wissen, was auf dem Feld los ist und ob sich Resistenzen entwickeln, raten Landschreiber und Vorholzer dazu, Ackerfuchsschwanzsamen zu beproben. „Es wichtig zu erkennen, welche Resistenzen gegen welchen Wirkstoff möglicherweise relevant sind“, erläutert die Bayer-Expertin. „Das Wissen darüber entscheidet mit, ob etwa im Frühjahr noch einmal mit einem spezifischen Wirkstoff nachgelegt werden kann. Das Ziel aller Maßnahmen muss es jedenfalls sein, maximale Wirkungsgrade zu erzielen.“

Gute Erfahrungen hat Schmidt mit der Auflockerung der Fruchtfolge mit Ackerfutter gemacht. Wichtig sind dann die richtig gesetzten Schnittzeitpunkte. „Auch eine Brache kann sinnvoll sein“, sagt er. Eine Verschleppung von Ackerfuchsschwanzsamen über Mähdrescher, Strohpressen, Bodenbearbeitungsgeräte oder organische Dünger gilt es zu vermeiden.

Die beste Lösung oder Blaupause für alle gibt es nicht. Die möglichen Maßnahmen müssen auf den Standort passen, sie müssen sinnvoll miteinander verknüpft und gegebenenfalls auf die jeweiligen Witterungsbedingungen abgestimmt sein. „Für die richtige Entscheidung ist auch immer die Kenntnis über die Feldhistorie von großer Bedeutung,“ ergänzt Landschreiber. Für Martens fällt die Entscheidung gleichwohl immer im Herbst. „Spätere Saattermine sind aus bereits erläuterten Gründen nur schwer umsetzbar“, berichtet er. „Umso wichtiger ist die ideale Platzierung der Herbstherbizide“. Martens benötigt dafür ein absolut ebenes Saatbeet, um Spritzschatten zu vermeiden. Windstille Nächte, beste (zeitliche) Niederschlagsverhältnisse und die richtige Flachstrahldüse sind für ihn Erfolgsgaranten. „Doch selbst wenn ich damit eine Wirkung von 98% erziele, bleiben immer noch 2% Samen im Boden zurück. Die können eine gigantische Wirkung entwickeln.“

Landschreiber und Schmidt steuern weitere Beispiele aus der Praxis bei, etwa die Doppel-Bodenherbizid-Strategie, die flache Stoppelbearbeitung mit anschließender Zwischenfruchtaussaat oder die Aussaat von Zwischenfrüchten in stehende Getreidebestände. Auch gesetzliche Restriktionen, etwa Auflagen bei Atlantis Flex für drainierte Flächen, werden diskutiert. Jule Vorholzer sieht hier in naher Zukunft keine Anwendungserweiterungen für dieses Herbizid. Sie hält die Auflagenterminierung jedoch für noch in Ordnung, da in der Regel eine frühere Applikation nicht erfolgt.

Auf die Frage nach der Unterstützung durch Künstliche Intelligenz, erläutert Jule Vorholzer, wie Lösungsansätze aus Bayersicht aussehen könnten. „Zukünftig muss es darum gehen, das Resistenzrisiko eines Schlages in seiner gesamten Komplexität darzustellen und darauf aufbauend Empfehlungen zu geben.“ Bis es so weit ist, rät Martens in guter alter landwirtschaftlicher Tradition „auf das Auge des Herrn“ zu vertrauen. „Ich muss wissen, was auf meinem Acker los ist, um richtig reagieren zu können.“ Ein hohes Maß an Flexibilität, Zielstrebigkeit bei der Umsetzung eigener Konzepte, starke Nerven und oftmals auch ein wenig Glück sind weitere Bausteine eines erfolgreichen Resistenzmanagements.

AgrarGespräch: 5. Oktober 2022

Das Ungras ist besonders gefürchtet und auf vielen Ackerflächen ein Dauerbrenner. Welche ackerbaulichen Konzepte unterstützen den Herbizideinsatz in der Fruchtfolge? Was macht ein erfolgreiches Resistenzmanagement aus? Wie gelingt die Implementierung in der Praxis? Wir diskutieren das.

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Vieles von dem, was beim AgrarGespräch diskutiert wurde, wird in Anröchte unter Praxisbedingungen bereits seit Jahren getestet. Wer möchte, kann dies an dieser Stelle nachlesen.

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